Die Sage

Vor mehr als tausend Jahren, als noch unermessliche Wälder das Lüneburger Land bedeckten, trug es sich zu, dass mehrere Jäger der Spur eines Wildschweins folgten, die durch Sümpfe und Brüche an der Ilmenau entlang führte. Es währte nicht lange, da lenkte die Spur seitwärts in eine hügelige und trockene Gegend. Wie staunten die Jäger, als sie bald an einem sonnigen Hang eine mächtige Salzsau schlafend fanden, wie sie bisher noch keine gesehen hatten; denn sie war nicht schwarz, sondern hatte schneeweiße Borsten.

Sie erlegten das seltsame Tier und forschten mit Eifer nach der Ursache solcher Färbung. Als sie mit der Hand durch die Borsten strichen, merkten sie, dass Salzkörnchen an ihnen klebten, so dicht, als wäre das Tier mit weißen Borsten bedeckt. Das nahm sie wunder und als sie die Fährte des Tieres zurück gingen, fanden sie zuletzt einen Tümpel, in dem das Schwein gesuhlt hatte. Das Wasser des Sumpfes war von salzigem Geschmack und man wusste jetzt, wie die Sau zu den weißen Borsten gekommen war.

So zeigte eine wilde Sau den Lüneburgern eine Quelle unerschöpflichen Reichtums. Bis vor kurzem lieferte die Saline vor dem Sülztore eine kräftige Sole, aus der Salz gesotten wurde. Die Salzsau wurde weit und breit bekannt, und die Bürger der Stadt ehrten sie, indem sie zum Andenken einen Schinkenknochen des Tieres in einen Glaskasten im Rathaus verwahrten. Doch man hat sich nicht entschließen können, ein Schwein als Wappentier Lüneburgs zu führen, sondern hat stattdessen einen Löwen gewählt.

(Heinrich Karsten)

 

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